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Sangüesa – Monreal
(ca. 5 km mit dem Bus, ca. 28 km zu Fuß)

Ein Novum: ich bin ein Stück mit dem Bus gefahren. Der Jakobsweg bietet hier zwei Alternativen. Die eine ist anstrengend und geht über 15 Kilometer nur bergauf, zum Teil mit heftiger Steigung. Die andere geht durch ein Naturschutzgebiet im Inneren einer Schlucht, in der sich vor allem Sing- und Greifvögel, z.B. eine große Population Gänsegeier, niedergelassen haben. Sagt zumindest mein Wanderführer. Was er allerdings nicht sagt, dass die Schlucht selbst schon eine Schau ist und wie „klein“ Gran Canyon Spaniens daherkommt. Die Herbergsmutter plädiert ebenfalls vehement darauf, dass ich diesen Weg wählen soll. Der einzige Haken – diese Wegalternative ist gut 5 km länger als die andere und damit in Summe ca. 33 km – ließe sich zudem durch eine kurze Busfahrt zu Anfang lösen. Und dies nicht nur, um die Strecke zu verkürzen, sondern auch weil eben genau diese 5 km nur der Straße entlang führen. Und damit war es entschieden. So nehme ich also um 8 Uhr heute Morgen den Bus bis Liédena. Übrigens mit Franco. Er hatte sich ebenso für diese Alternative entschieden.

Dort angekommen passiert dann etwas Seltsames. Gleich der Haltestelle gegenüber entdecke ich eine Bar. Kurzerhand entschließe ich, dort noch einen Kaffee zu trinken bzw. besser gesagt zu frühstücken. Da es mit 8:10 Uhr für mich ohnehin noch früh ist, passt das grad sehr gut. Das versuche ich Franco bruchstückhaft zu vermitteln, da er nur italienisch spricht aber spanisch gut versteht, welches ich eben nur sehr rudimentär beherrsche. Er bedeutet mir, dass er den Weg gleich starten will – so verstehe ich es zumindest -, was mir sehr gelegen kommt, laufe ich ohnehin am liebsten alleine.

So trennen sich mit einem „Hasta luego“ – was so viel bedeutet wie Tschüss oder Bis dann – unsere Wege.

Ich sitze gemütlich beim Kaffee, Orangensaft und Neapolitana, also meinem üblichen Camino-Frühstück, als nach gut 15 Minuten plötzlich jemand an meinen Tisch kommt und auf die Tischplatte klopft: Franco. Er versucht mir irgendwas mitzuteilen, offensichtlich erregt; ich meine, ein „ich gehe jetzt“ zu erkennen. Dreht sich um, geht aus der Bar raus, setzt draußen seinen Rucksack auf und stapft davon. Ich bleibe perplex zurück. Hatte er draußen auf mich gewartet? Aber wieso? Er ist nach unserer, für mich eindeutigen Verabschiedung nach links weggegangen und ich rechts Richtung Bar. Habe ich irgendwas falsch verstanden? Ich merke, dass mir das nahe geht, dass ich was falsch interpretiert haben und dadurch an diesem Fauxpas schuld sein könnte. Nach kurzer Überlegung streife ich das von mir ab, fühle zwar mit ihm, dass er offenbar verärgert ist, belasse dies aber bei ihm, denn ich gehe den Weg für mich alleine und habe mit ihm keinerlei Vereinbarung getroffen, bin somit nicht dafür verantwortlich, dass er umsonst gewartet hat. So geht’s mir schon besser.

Die kommenden 5 Kilometer sind landschaftlich traumhaft. Ich lasse mir sehr viel Zeit dafür und betrachte, staune und fotografiere…

Auf dem Weg zur Schlucht Foz de Lumbier:

Der Eingang, ein 200 m langer Tunnel, der im Innern leicht gekrümmt ist und damit absolut dunkel, bis der Ausgang hinter der Biegung endlich ersichtlich wird:

Auf der anderen Seite eröffnet sich eine andere Welt:

Der Ausgang führt wie der Eingang durch einen in den Fels geschlagenen Tunnel:

Dahinter breitet sich wieder die übliche, ländliche Landschaft aus, so dass mir der kurze Wegabschnitt durch die Schlucht Foz de Lumbier wie ein Traum vorkommt.

Streckenweise auf Straßen zu gehen, gehört leider auch immer wieder zu einem Camino:

Es ist heute sehr bedeckt, dabei aber ziemlich schwül. Mehr und mehr sieht es dann auch nach Gewitter aus.

Das Wetter hält jedoch zuverlässig über den Tag, bis zu meiner Ankunft um 17 Uhr in Monreal:

„Einladender“ Empfang: zig Treppen zur Herberge. Ist ja nicht so, dass meine Beine erschöpft wären ??

Die ersten Regentropfen fallen vom Himmel. Tatsächlich regnet es aber erst eine Stunde später richtig, als ich sicher unter der Dusche stehe und anderweitig nass werde ☺️Nach gut 45 Minuten ist der Regenschauer durch.

Hier angekommen in Monreal suchte ich wie gewohnt die Pilgerherberge auf, die auf diesem Camino – das muss ich jetzt echt mal niederschreiben – unglaublich schlecht ausgeschildert sind. Nach einigem Suchen habe ich sie dann doch gefunden. Mit einem kurzen Blick ins Innere und einer Nase voll Chlorgeschwängerter Luft (keine Ahnung wieso) entschließe ich mich für eine Pension, die ich in der Nähe schon entdeckt hatte, und damit für ein eigenes Zimmer mit eigenem Bad. Dieser Luxus muss heute sein!

Alles mein☺️

Abendritual!

Und wen treffe ich beim Pilgermenü in der einzigen Bar hier? Franco. Er ist der einzige Pilger in der Herberge und damit mit mir hier einer von zwei Pilgern. Sonst nix los. Na zumindest scheint sein Ärger verraucht?

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