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Avilés – El Pito
(ca. 25,5 km)

Ok. Nun ist’s amtlich: ich habe keinen Bock mehr. Keine Lust mehr auf Straßen, auf Asphalt-Treterei, mich mit den Autos um Platz auf der Straße zu rangeln, worin ich ja auch nur verlieren kann. Ich habe keinen Nerv darauf! Ehrlich gesagt, ödet mich der Weg zwischenzeitlich an.

Die heutige Etappe verlief zum Teil auf Waldwegen, jedoch bedauerlicherweise wieder größtenteils auf Straßen. Und dabei auch auf durchaus viel befahrenen Landstraßen der üblichen Breite, d.h. zwei Autos haben gut Platz; es gibt keine großzügigen Seitenstreifen; ein Pilger hüpft bei Gegenverkehr besser in den Graben. Und so muss ich das auch machen, als im Tunnel (!!) mir ein Auto entgegen kommt, das a) natürlich wieder viel zu schnell unterwegs ist und b) mich wegen Kurve erst im letzten Moment sieht. Da im Tunnel kein wirklicher Graben existiert, drücke ich mich an die Tunnelwand, dummerweise genau da, wo sich in Ritzen Brennnessel breit gemacht haben. Ich verbrenne mir ordentlich die Hand, was noch jetzt – Stunden später – zu spüren ist. Dieser Vorfall leitet ein erneutes Fluchkonzert auf die bescheidenen Camino-Strecken des sogenannten Küstenweges ein. So (!) habe ich mir das nicht vorgestellt, wenngleich ich keine konkreten Vorstellungen hatte. Auch impliziert die schlechte Übersetzung des Camino del norte in Küstenweg, dass dieser vornehmlich an selbiger entlang führe. Tut er aber nicht, zumindest in den meisten Fällen nicht. Und um sich dieses Erlebnis der Küstennähe dann doch zu gönnen, muss man Routen wählen, die zwar zum Beispiel in meinem Outdoor-Wanderführer beschrieben, jedoch nicht ausreichend beschildert und gekennzeichnet sind. D.h. man darf permanent den Wanderführer konsultieren. Den gelben Pfeilen einfach zu folgen, ist dann nicht drin, weil diese tatsächlich meist die kürzeste Verbindung zwischen den Orten anzeigen und die – wie schon mehrfach erwähnt – führt nunmal größtenteils über Landstraßen. Also, wer Küste will, muss damit viel mit Buch arbeiten und zudem gehörige Umwege in Kauf nehmen. Und so oft gibt es schon seit geraumer Zeit diese Küstenwegsvarianten gar nicht mehr. Selten verläuft also der Küstenweg entlang der Küste. Wenn er es dann tut, ist es wunderschön. Nur mittelt man die Anzahl der Weg-Kilometer an Küste und Strand gegenüber Straßenkilometer kommt ein jämmerliches Maß heraus. Ich schätze über den Daumen gepeilt, führten mich nur knapp 130-140 Kilometer meines bisherigen Weges über schöne Wege. Das entspricht gerade mal 25%. Der Rest war Straße, urbanisiertes oder industriell genutztes Gebiete, also 75% war knochenerlahmend und nervtötend. Und das merke ich heute extrem. Vor allem Letzteres. Und deshalb habe ich mich soeben entschieden, diesen Weg nicht zu Ende zu gehen. Das ist das erste Mal, dass ich einen Camino abbreche. Und als Entschädigung wechsle ich auf den Camino Portugués. Das heißt, ich werde mich die nächsten 2-3 Tage in Etappen nach Porto begeben und von dort den „kleinen“ Camino Portugués nach Santiago starten. Zuvor verbringe 2-3 Tage in Porto.

Der Camino del norte jedoch ist hiermit offiziell beendet!

Dieser Tunnel bringt die endgültige Entscheidung: hier kommt mir das Auto entgegen.

Kurz mal Feldwege…

… dann wieder Straße.

Soto del Barco liefert schöne An- und Aussichten.

Die letzten Kilometer machen dann wieder Spaß; es geht durch herbstlichen Wald:

El Pito wartet mit für die Gegend ungewöhnlich pompösen und eleganten Gebäuden auf und erweckt den Anschein eines reichen Ortes:

Meine Herberge ist dennoch in einem ganz gewöhnlichen Haus; dafür habe ich ein 2-Bettzimmer mit einer Spanierin. Blanca ist allerdings keine Pilgerin. Sie besucht den Ort wegen eines Konzertes, bei welchem zwei ihrer Freunde im Chor mitwirken.

Apropos, Pilger habe ich heute weder auf dem Weg noch bislang in der Herberge gesehen. Laut Gastwirt sind hier neben mir noch andere abgestiegen. Na, mal gucken, ob ich welche zu Gesicht bekomme☺️

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