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Mir ist es ein Anliegen, einen Abschluss zu den vergangenen drei Wochen, dem Verhältnis des Camino del norte und mir zu verfassen.

Ich möchte dem Küstenweg in keiner Weise ungerecht und grob urteilend begegnen. Auch weil mir bewusst ist, dass ich damit vermutlich vielen Liebhabern dieses Weges vehement widersprechen würde. Und das möchte ich nicht. Nein, nicht weil ich mich nicht traue, klar meine Position – auch entgegen weitverbreiteter Meinung – zu beziehen. Mitnichten. Der Grund liegt vielmehr in der Rücksicht und Achtsamkeit anderer Vorlieben und dem Bewusstsein meiner eigenen momentanen Stimmungslage (den der unterliegen wir ja alle zuweilen;-).

Was soll das also heißen? Mir persönlich hat zum jetzigen Zeitpunkt der Camino del norte in der Gesamtheit nicht gefallen. Es gab einige, wirklich bemerkenswert schöne Weg- und Küstenabschnitte, was meine Blogeinträge und die dazugehörigen Bilder entsprechend anschaulich dokumentieren. Die atemberaubenden Aussichten auf das wilde Meer, die karstigen Klippen und die kilometerlangen Strände bleiben mir unvergessen. Bedauerlicherweise wird dies auch für unendlich lang erscheinende Landstraßen-Märsche und dem damit einhergehenden Asphalt-Latschen und Verkehr-Ertragen gelten. Die Landschaft wechselt kaum, unterliegt sie an der Nordküste klimatisch ähnlichen Bedingungen, so dass die Vegetation verhältnismäßig konstant bleibt, was über viele Hundert Kilometer langweilig werden kann. Die Nähe zum Meer und zur Küste ist doch eher selten gegeben, zumindest wenn man den gelben Pfeilen und damit dem offiziellen Weg folgen will. Die Herbergsdichte ist eindeutig unterdurchschnittlich und definitiv ausbaufähig. Es ist aufgrund all dessen spürbar, dass die Küstenregion eher vom allgemeinen Urlaubs- und Surftourismus und nicht von Pilgern lebt. Da sieht es in ärmlicheren und sonst wenig touristisch beliebten Gegenden Navarras oder Asturiens anders aus. So erlebte ich das zumindest auf dem Camino francés und dem Camino Primitivo. Alles in allem war es eine gute Erfahrung für mich, gerade eben nicht „durchzuziehen“. Und nach gut 540 Kilometer kann man sicher nicht davon sprechen, dass ich es mit dem Weg nicht ernsthaft versucht hätte. Zum heutigen Zeitpunkt kann ich also abschließend sagen: es ist einfach nicht mein Weg!

Dennoch glaube ich persönlich, dass der Weg noch eine Blütezeit erleben wird. In den letzten 3 Wochen erzählten mir einige Pilger, dass sie selbst oder Pilger, denen sie begegnet waren, vom Camino francés zum del norte gewechselt waren, weil dieser derzeit so überlaufen sei. Wenn der Camino francés weiterhin mit steigender Tendenz bevölkert wird, werden mehr und mehr Pilger auf den Camino del norte als einzigen, sonstigen Verbindungsweg zwischen Frankreich und Santiago de Compostela ausweichen. Dann wird sicherlich mehr in die Infrastruktur und das Wegnetz investiert. Und damit vermutlich auch in Wege, die fernab der Straßen und in Küstennähe verlaufen. Wenn es soweit ist, kehre ich bestimmt zurück. Bis dahin erkunde ich andere Wege. Glücklicherweise gibt es davon viele. ☺️

Und so wünsche ich auch weiterhin und allseits ein Buen Camino!

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