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Roncesvalles – Larrasoaña
(27 km)

Heute gehts spät los. Erst um 8:30 Uhr habe  ich ausgeschlafenen Fußes Roncesvalles den Rücken gekehrt. Ich wollte die ruhige Nacht in meinem Luxus-Hotelzimmer auskosten. Wer weiß, wann ich wieder soooo schön wie auf Wolken gebettet und ganz allein für mich schlafen kann. Meine Füße haben sich erstaunlich gut regeneriert. Zugegeben, meine Füße schlagen sich mehr als wacker. Die befürchteten Blasen an den Fersen bleiben aus. Im Gegenteil, meine Fersen scheinen sich zwischenzeitlich gut mit meinen Schuhen arrangiert zu haben. Dafür habe ich an den kleinen Zehen Blasen. Allerdings auf der Lauffläche? Ungewöhnliche Stelle. Nun ja, gut getapt sollte das heute gehen.
Beschwingten Fußes gehts auf nach Zubiri. Mal sehen, ob ich dort – 20 km entfernt – Stopp für die Nacht mache oder weiterlaufe. Nachdem es heute wieder nur so flutscht, entscheide ich mich bald schon unterwegs für’s Weiterlaufen.
Der Weg heute ist einfach traumhaft. Es geht durch verwunschene, teils sehr eng eingewachsene Pfade, meist im Wald oder zumindest mit waldähnlichen Bewachsungen gemütlich dahin. Ab und an bergab, selten auch mal ziemlich steil, noch seltener bergauf.

Wegimpressionen:


Einige Wegweiser sind mehr als kunstvoll drapiert.

Irgendwann stelle ich fest, dass die nach wie vor massenmäßig dahinlaufenden Pilger mich entweder vor sich hertreiben oder mich nach ziehen. Ich laufe nicht mein Tempo, nicht mit Gelassenheit. Mein Ehrgeiz funkt ordentlich dazwischen und treibt mich vor sich her. Das Tempo ist ok, ich kann es gut gehen. Aber so wirklich bei mir bin ich nicht. Immer wieder kommt der Gedanke auf: Hoffentlich krieg‘ ich heute Abend ein schönes Einzelzimmer zu erschwinglichem Preis.
Es ist schon etwas auffällig, wie wenig es mir gelingt gelassen dahin zu laufen und solche Dinge, wie die Schlafensangelegenheit einfach auf mich zukommen zu lassen. Ja, das auf mich zukommen lassen ist eindeutig nicht so mein Ding. Das wäre schon eine tolle Errungenschaft, wenn ich allein das mit vom Jakobsweg nach Hause bringen könnte. Übungsmöglichkeiten habe ich hier auf jeden Fall genug!

Trotz des späten Aufbruchs erreiche ich mein heutiges Etappenziel dann noch vor 16 Uhr. Einzelzimmer zu erschwinglichem Preis wird allerdings schwierig, so dass ich dann mit einer Belgierin (die bereits seit 2 Monaten ab ihrem Zuhause zu Fuß unterwegs ist), einer Französin und einer Deutschen auf einem Vierbettzimmer lande.

Es ist schon erstaunlich, wie viel Menschen und Nationalitäten man in 2 Tagen auf dem Jakobsweg kennen lernen kann. Gestern Abend saß ich in meinem Hotel beim Pilgermenü mit 2 Californierinnen (ein ganz zuckersüßes Pärchen) und deren befreundetem Pilgerpärchen aus Missouri einer Stadt namens Hermann zusammen. Daneben habe ich bereits einige Australier, einen Neuseeländer und Kanadier kennen gelernt. Ebenfalls auffällig: die hohe Zahl der Asiaten! Ja, Asiaten. Chinesen, Koreaner. Steht der Jakobsweg neben Schloss Neuschwanstein, Paris und Rom auf deren „Must have“ Liste für Sehenswürdigkeiten in Europa?

Für morgen ist eine kurze Etappe geplant. Es geht ins 15 km entfernte Pamplona. Ein Hotelzimmer habe ich soeben gebucht. Zu viel „Pilgerkuscheln“ in kleinen 10-12 qm-Zimmern bin ich einfach (noch) nicht gewohnt. Und nach dem man hier – wie in den meisten Pilgerherbergen üblich – spätestens um 8 Uhr los muss, werde ich wohl früh in Pamplona aufschlagen. Ich nehme mir jetzt einfach mal vor, es morgen wirklich mal ruhig angehen zu lassen. Frühstückspause nach ein paar Kilometern und dann gemütlich weiter nach Pamplona.

Mal sehen, ob’s klappt?

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