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Soutoxuste – Campañó (spirituelle Variante)
(ca. 21 km)

Eines ist für mich klar: es gibt für alles einen Grund. Und dass mein Knie mich leicht ausbremst, hat sicher einen tieferen Sinn. Auf jeden Fall hätte ich ohne das Miguel nicht kennen gelernt. Der Herbergsvater besticht mit seiner derart herzlichen Gastfreundschaft, wie seinerzeit Davide auf dem Camino Primitivo. Er sorgt sich um das Wohl seiner Pilger, ob es ihnen warm genug ist, die Sachen auch trocknen, kümmert sich darum, dass das auch wirklich der Fall sein wird und lässt für unsere nassen Boots die Nacht über ein Heizlüfter laufen. Ja, er macht alles wett, denn die Herberge O Rechunco do Peregrino liegt an einer dreispurigen, viel befahrenen Straße. Kein wirklich schöner Ort zum Verweilen. Dennoch: er allein macht einen Besuch allemal wert. Das zeigt mir sehr eindeutig, was die Energie eines Menschen mit einem sonst eher unschönen Ort machen kann, und damit lässt sich im Umkehrschluss auch das Gegenteil ableiten…!

Und das, obwohl gestern (also am Tag, an dem ich ankam) sein über alles geliebter Hund verstorben ist und er sich x mal für seine schlechte Stimmung entschuldigt. Wie ist er dann wohl an guten Tagen? ?☺️

Der Morgen startet überraschend ohne Regen. Dabei braucht es dennoch ewig, bis es Tag wird. Erst um 8:30 Uhr wird es hell, weshalb ich auch erst dann bereit bin, es mit der Straße und dem Verkehr aufzunehmen. Zum Glück geht das nur bis Arcade – also keine 1,5 Kilometer. Am Ende der Ortschaft mache ich dann erstmal Frühstückspause. Und das ist mit den kostenlosen Zugaben des Cafés zur Getränkebestellung ganz schön üppig:

Zu meinem Neopolitana gibt’s noch Churros und sonstiges Gebäck als Zugabe. Keine Sorge, ich habe nicht alles aufgegessen ☺️

Ohne Regen ein schöner Morgen.

Der Nebel hängt noch tief – mystische Herbststimmung. Ich liebe das.

Erneut ein Pilgergestaltetes Denkmal.

Der Regen bleibt dennoch nicht aus. Allerdings begnügt er sich heute mit nieseln. Und das meist auch nur in kurzen Etappen. Man kann also ohne Weiteres von einer Wetterbesserung sprechen.

Und um ehrlich zu sein: der Nieselregen passt wunderbar zur Herbststimmung des Waldweges. Es ist ein Traum, hier zu wandern.

Da ich mich entschieden habe, die spirituelle Variante des Caminos zu laufen und die erste Etappe – also morgen – hügelig wird, entschließe ich mich, nicht am üblichen Etappenende Pontevedra zu stoppen, sondern gehe noch ca. 5,5 Kilometer weiter, nach Campañó.

Dieser Ort liegt abseits des Camino Portugués Central und damit bereits auf der Variante Espiritual.

Die Route soll bezaubernd sein mit Mühlen, Weinbergen, Klöstern (in einem übernachte ich aller Voraussicht nach morgen) und viel Natur. Und zum Schluss nimmt man ein Boot, das einen nach Pontecesures bringt, wo man wieder auf den Camino Portugués trifft. Der Legende nach nehme ich damit genau die Strecke, die der Leichnam des heiligen Jakobus genommen hat, als er nach seiner Enthauptung auf einem steinernen (!) Schiff nach Spanien überführt wurde. Dass ich, anstatt die 28 Kilometer zu gehen, ein Boot nehme, gehört damit ganz offiziell zum Pilgern. Mir soll’s recht sein?

Die morgige Etappe wird also voraussichtlich etwas mühselig, da zum Ende der ca. 15 Kilometer langen Strecke gut 400 Höhenmeter bewältigt werden müssen. Normalerweise mehr als ein Klacks für mich. Mit dem Knie allerdings eher eine Herausforderung. Ich werde es also langsam angehen lassen und gönne mir – auch in Ermangelung einer Herberge – ein schönes Hotelzimmer, mit Badewanne?

Füße hochlegen deluxe?

Meine heutige Bleibe: das Hotel Rural Campaniola. Und es liegt seeeeeehr ruhig.

Nach letzter Nacht an der viel befahrenen Straße genau das, was ich heute brauche.

Katja Härle