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Milladoiro – Santiago de Compostela
(ca. 8 km)

Die Nacht war denkbar schlecht. Noch schlimmer als die vorherige. Weder Bett noch die anderen Pilger sind dafür der Grund. Vielleicht war es ein Fehler, noch kurz vor dem Zu-Bett-Gehen eine Cola zu trinken. Allerdings war ich derart müde, dass ich nicht gedacht hätte, dass 0,33 l Cola das bewirken könnten.

Wie auch immer, ich liege mindestens bis 1:30 Uhr wach und danach schlafe ich auch nur in Raten.

Insofern brauche ich also gleich in mehrfacher Hinsicht Erholung und Entspannung ?

Als ich dann heute Morgen los will, regnet es ordentlich runter – mal wieder. Grantig ob der Aussicht auf erneutes Nasswerden krame ich meinen bereits verstauten Poncho wieder raus, werfe ihn mir über und verabschiede mich von der österreichischen Hospitalera. Doch als ich die Herberge verlasse, hat es tatsächlich aufgehört und die Sonne kommt raus. Und so bleibt es für die verbleibenden 8 Kilometer. Die fliegen im Übrigen nur so dahin. Vom Verlassen der Herberge bis zur Kathedrale brauche ich gerade mal 1 Stunde und knapp 20 Minuten.

Der Morgen startet nach erneutem Regenschauer mit Nebel aber sonnig.

The final Countdown:

Im Stadtbereich Santiagos fehlen die Meilensteine allerdings komplett.

5 Kilometer verlaufen zumeist durch kleine Ortschaften und Wäldchen. Die letzten 3 Kilometer gehen dann entlang der Straße Richtung Stadtzentrum Santiago und sind weniger schön. Auch die Beschilderung ist freudlos: nur ab und an ist ein verblasster, gelber Pfeil zu sehen. Selbst im Zentrum fehlen weitestgehend die in den Boden eingelassenen Muscheln aus Metall, die den Einzug vom Camino Francés unterstützen – oder ich sehe sie schlicht nicht.

Trotzdem finde ich spielend den Weg zur Kathedrale.

Erste Sichtung der Kathedrale.

Und dann stehe ich direkt vor ihr.

Die Kathedrale erreicht man über den Camino Portugués von Süden kommend, während man vom Camino Francés nördlich herangeführt wird.

Da die Bauarbeiten zwischenzeitlich vor allem innen stattfinden, sehe ich sie das erste Mal nicht eingerüstet. Allerdings findet deshalb auch keine Pilgermesse statt, zumindest nicht in der Kathedrale. Leider habe ich damit nicht die erneute Chance auf den Schwenk des Botafumeiro, des Riesen-Weihrauchkessels. Aber nachdem ich es bereits 2x – oder schon 3x ? – gesehen habe, kann ich darauf auch verzichten.

Das Umarmen des Heiligen Jakobs inklusive Einflüstern eines Wunsches lasse ich mir dennoch nicht nehmen, denn trotz Bauarbeiten ist die Kathedrale zugänglich:

Meine Compostela bekomme ich dafür dieses Mal in Rekordzeit: keine 5 Min warten und ich halte sowohl die Original-Compostela in lateinischer Sprache als auch die „sportliche“ Variante mit Angaben der Kilometer in meinen Händen. Zählen tut hierbei offiziell nur der Portugués, weil ich den del norte nicht bis Santiago durchgelaufen bin. Eine Kombination oder Wechsel über nicht angrenzende Caminos ist natürlich nicht vorgesehen. Das war mir allerdings schon vorher klar.

Mein vollständig gefülltes Credencial – der Nachweis meiner Pilgerschaft durch gesammelte Stempel.

Morgen geht’s dann sehr früh zum Flughafen. Um 5:15 Uhr kommt das Taxi.

Und dann heißt es erstmal, Füße hochlegen:

Katja Härle