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Startschuss für den Bau meines neuen Mini-Hauses

Die Entscheidung steht. Uff. Naja, eigentlich ging es dann doch ganz schnell. Also das mit der Entscheidung.
Seit gut einem Jahr lebe ich bei einer Freundin und Kollegin – als Zwischenlösung. So war es gedacht. Dann hat sich doch vieles entwickelt, das nicht abzusehen war. Lockdowns und andere Erfahrungen schweißten uns erst zusammen, so dass wir von einem großangelegten Gemeinschaftsprojekt schwärmten. Nach kurzer Zeit merkte ich allerdings, dass ich nicht in noch größere Räumlichkeiten ziehen will. Schließlich hatte ich ursprünglich und ohne eine andere Wohnung zu haben, meine 78 qm Münchner Stadtrand Wohnung aufgegeben. Und das buchstäblich von heute auf morgen. Auch da fiel die Entscheidung schnell. Am 3. Januar 2020 entschied ich, alles loszulassen. Zumindest fast alles. Am 24. Februar 2020 – also keine 8 Wochen später – zog ich mit 12 Kartons und ein paar Kleinmöbeln aus. Ich wusste noch nicht, wie und wo es weitergehen sollte. Und da kam mir das Angebot der vorübergehenden Unterbringung im Gästezimmer meiner Freundin ganz gelegen, sehr gelegen sogar. Ich danke ihr heute noch von Herzen. Damals schon spukte die Idee, in einem größeren Wohnmobil zu leben, in meinem Kopf herum. So ganz ungebunden und mobil zu sein, hatte etwas ungemein Befreiendes. Allerdings: ich kenne mich und das Campen auch. Auf manches mag ich einfach nicht verzichten und fließend Wasser und ein gewisses Raumgefühl zählt dazu. In den letzten Monaten habe ich mich daher wieder intensiver mit dem Thema Wohnen auseinander gesetzt. Und es wurde im spürbarer, dass es klein sein soll, dennoch die Annehmlichkeiten des heutigen Lebens bieten und eine gewisse Flexibilität zulassen soll. Letzteres hat für mich viel mit Freiheit zu tun. Auch wenn ich sie dann vielleicht nie wirklich nutze. Aber ich könnte, wenn ich wollte…

Sukzessive hangelte ich mich in den Größen der Wohnkonzepte abwärts. Erst dachte ich über einen kleinen Bungalow nach und schaute mir unzählige Tiny-Häuser auf YouTube und Co. an. Doch das Prinzip auf 5-8 qm Grundfläche zu leben, schlug bei mir nicht auf die erforderliche Gegenliebe. Schlaflofts mit gerade mal Sitzhöhe und Hühnerleiter konnte das nur noch verstärken. Einschränken ja, aber es sollte zu mir passen. Und Tiny-Häuser, so wie ich sie verstehe, tun das nicht. Sie passen nicht zu mir, oder vielleicht noch nicht. Also stöberte ich weiter und stieß irgendwann unweigerlich auch auf Luxus-Varianten des Wohnraum-minimalen Lebens: ausgebaute Zirkuswägen mit Erkern und Slide-Outs. Und nun brannte ich, lichterloh. Mein Herz schmolz nur so dahin. Allerdings gefror es ganz schnell wieder, als ich den Preis sah. Nun ja, was anderes war auch nicht zu erwarten, denn mit Mini-Häusern der Marke „ich-friemle-mir-dann-mal-was-Funktionielles-zusammen“ hat dieser elegante und mondäne Luxus auf Rädern nichts gemein. Also steckt doch noch etwas Schniekes, Materialistisches in mir. Darf ja, warum auch nicht. Und neben dem stolzen 6-stelligen Preis war es dann doch vor allem die Bewandtnis, mir mein neues Nest zumindest in Teilen selbst bauen zu wollen, Grund für meine Entscheidung.
Ja, ich baue mir mein neues Eigenheim selbst. Dafür sprechen neben den geringeren Kosten auch der Umstand, bereits vorhandene, ausrangierte Materialen wiederverwerten und mein Heim gänzlich selbst gestalten zu wollen. Und das meine ich nicht nur im kreativen Sinne der Gestaltung. Nein, auch im praktischen Sinne: jedes Brett, jedes Teil in der Hand gehalten und es eingebaut zu haben, bedeutet neben dem Aspekt, sich dann technisch mit dem Eigenheim bestens auszukennen, auch eine Beziehung aufzubauen. Es soll im wahrsten Sinne des Wortes mein Nest werden. Wie ein Vogel, der emsig Zweiglein um Zweiglein sammelt, diese drapiert und dadurch langsam aber stetig ein Nest baut. Es ist mir ein Bedürfnis, das genau so zu machen. Mein Mini-Haus schlüsselfertig zu kaufen, scheidet damit völlig aus. Die nächsten Monate werden zeigen, wie viel ich tatsächlich selbst baue und wie das Ganze stemmbar wird.

Ich gebe zu, ich habe eine ordentliche Portion Respekt davor und – zugegeben – auch Angst. Angst zu versagen, Angst, es nicht zu können, Angst, es nicht zu schaffen. Ja, Respekt, Angst, manchmal sogar Schnappatmung, und gleichzeitig eine kindliche Neugier, Leidenschaft, eine große Portion Zuversicht und ein intensives Prickeln, am liebsten sofort loshämmern zu wollen, beschreibt die Mixtur, die seit meiner Entscheidung vor ein paar Tagen in mir tobt, am besten. Das ist wohl das wegemutigste Projekt, das ich je gemacht habe.

Und mitunter auch deshalb habe ich mich entschieden, darüber zu bloggen und vloggen. In Schriftform und Videobeiträgen darüber zu berichten, wie es vorangeht, wie es mir geht, was ansteht und was mir Kopfzerbrechen bereitet. Es ist damit eine Art Bewältigungsstrategie. So ein bisschen wie ein Marathon-Erstling die anfeuernde Masse am Straßenrand braucht, um auf den letzten Kilometern nicht die Segel zu streichen. Nur zu wissen, dass mein Projekt und der Reifegrad sichtbar ist, Menschen mir folgen, reicht da schon völlig aus, nicht aufzugeben. Das ist zumindest die Hoffnung. Und ich freue mich natürlich über anfeuernde, motivierende Worte. Also hinterlasst mir gerne eure Kommentare. Gleichzeitig möchte ich auch Mut machen, Herzensprojekte anzugehen, sich zu trauen. Wenn ihr wollt, teilt eure wegemutigen Projekte in den Kommentaren. Bin neugierig zu lesen, was euch umtreibt. Und ja, natürlich freue ich mich auf Kontakte mit Menschen, die Ähnliches planen oder gar schon umgesetzt haben. Also haut in die Tasten. Jeglicher Austausch ein dieser Sache ist herzlich willkommen.

Nennt man das nun eigentlich der Spatenstich? Denn, rein physisch gibt es diesen ja bei einem Mini-Haus auf Rädern nicht…

Egal, wie man es nennt: es geht los! Mir schlottern die Knie und klappern die Zähne gleichzeitig vor Aufregung wie vor Ehrfurcht.

Hier geht’s zum Video-Beitrag.
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