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Andechs – Haid
(ca. 24 km + 4)

Am frühen Morgen begann es wie aus Kübeln zu regnen. Es prasselte ordentlich gegen das Dachfenster. Damit war ich noch überzeugter: wozu früh starten? Was vor Aufbruch vom Himmel regnet, landet wenigstens nicht auf mir – obwohl mir zugegeben Regen wenig ausmacht. Ist er mir sogar lieber, als heiße, sonnige Tage – vor allem mit hoher Luftfeuchtigkeit; diese Kombination scheint Bremsen anzuziehen. Streckenweise eine reine Plage hier.

Wie auch immer. Als ich um kurz vor 9 Uhr starte, hat es zumindest aufgehört zu regnen. Es ist bedeckt und ganz schön windig. Aber ich trotze dem Wetter mit T-Shirt und kurzer Hose und umso mehr der Tag Richtung Mittag geht, kommt mehr und mehr die Sonne raus und damit die tropische Wärme zurück. Und mit ihr besagte Bremsen.

Der Weg führt kurz hinter Erling für die folgenden gut 8 km größtenteils durch verwunschene Wälder. Es ist ein Traum, was die Natur hervorbringt.

Die Bäume formieren sich zu hohe Hallen und erzeugen ein Gefühl von Ehrfurcht in mir.

Dazu passend stimmungsvolle Wolkenformationen, die den Tag über allerdings dicht halten.

Hinter mir liegt und erstreckt sich der Ammersee, den ich im Süden passiere.

Ich durchquere Buchenwälder, Mischwälder, Laubwälder. Das Spiel des Sonnenlichts lässt das Grün der Blätter leuchten.

Immer wieder gibt die Landschaft schöne Aussichten auf die Alpen frei.

Die Drohgebärden des Himmels können mich dabei wenig beeindrucken, bin ich als Pilger mit Regenponcho gut gerüstet. Doch ohnehin fällt kein Tropfen. Auch wenn die Fotos einen anderen Eindruck erwecken…

Die Bevölkerung ist hier sichtlich freundlicher als gestern. Jeder, der mir begegnet, grüßt freundlich. Einige Male muss ich nach dem Weg fragen. Die Jakobswegbeschilderung ist hier rar gesät, oft gar nicht vorhanden, so dass ich nur meinem Wanderführer und Radwegschildern folgen kann.

Im Wald zwischen Stillern und Haid passiert es dann: ich verlaufe mich und zwar gnadenlos. Mein Gefühl sagt es mir auch, dass ich falsch bin. Nur ohne Empfang (jaaaa, in Deutschland ganz anders als in Spanien, keine Seltenheit☺️) und den einzigen, die mir begegnen, die offenbar(!) auch nicht ortskundig sind (mitten im Wald ein Bundeswehr-Konvoi), und mich in der falschen Richtung bestärken, bleibt mit nichts anders übrig, als weiterzumarschieren. Tja, und zu hoffen, dass ich irgendwann wieder auf meinen Weg stoße. Das tue ich dann auch: nach geschlagenen fast 4 km Irr- und Umweg. So ist das halt manchmal.

Am Beginn des Waldes ist der Weg kaum mehr auszumachen. Hätte mir vielleicht Warnung sein sollen?

Humor haben sie, die Bayern. Das Schild „Fahrzeuge verboten“ macht hier ungefähr so viel Sinn, wie ein Glatzköpfiger beim Friseur. Möchte wissen, wer sich hierher mit seinem Fahrzeug verirren soll und nicht vorher im Dickicht oder Matsch stecken bleibt.

Und dann kommt auch wieder ein Weg. Der später sogar zum ausgewachsenen Waldweg wird. Geholfen hat’s nix, denn Beschilderungen an den Kreuzungen gab es keine. Nicht ein Schild. So nahm mein Irrgang durch den Wald seinen Lauf.

Nachdem mich der Wald wieder ausgespuckt hat und ich wieder den Jakobsweg gefunden habe, belohnt mich ein traumhaftes Alpenpanorama für meine zusätzlichen Strapazen.

Und dann…. aus dem Nichts. Eine Seltenheit, in ihrer natürlichen Umgebung kaum ausfindig zu machen, scheinen sie sich untertags zu verstecken, um abends plötzlich alle am selben Ort aufzutauchen: ein Pilger?

Mikka ist seit Coburg unterwegs und will den gesamten Camino bis Santiago laufen. Am Stück. Ca. 3000 km in rund 107 Tagen, Anfang November prognostiziert er anzukommen. Das zollt mir Respekt ab!

Wir laufen gemeinsam in Wessobrunn ein, wo er übernachtet und ich nur mein Abendessen einnehme (endlich! den ganzen Tag gab es nichts, alles war geschlossen, Ruhetag oder im Urlaub). Mein Schlafplatz ist in Haid, 1 km zurück. Also werde ich morgen nochmals nach Wessobrunn laufen.

Was soll’s. Des Laufens wegen bin ich ja schließlich hier?

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