12.08.23 – Oberschwäbischer Jakobsweg 7. und letzter Tag/ 31. Lauftag

von Katja Härle

14. August 2023

Äpfingen – Biberach 12,5 km

Die letzte Nacht war sehr gut. Am Morgen quatsche ich lange mit Annemarie, meiner Gastgeberin. Die 70-Jährige ist noch sehr fidel – nicht nur körperlich – und in vielerlei Hinsicht ehrenamtlich engagiert. Es macht Spaß, sich mir ihr, über ihr Leben und ihre Ansichten zu unterhalten. Da heute mein letzter Lauftag und dieser mit 12 km nicht lange ist, drängt mich auch nichts auf den Weg. Insofern ist es nicht überraschend, dass ich erst um viertel vor 10 aufbreche.

Ich mit Gastgeberin Annemarie – ich schaff es doch tatsächlich, ein Selfie mit geschlossenen Augen zu machen, auweia…

Heute ist ein guter Tag zum Rekapitulieren, wartet der Weg mit fast allem auf. Wald, Wiesen, verwachsenen Pfaden, Sonne, Regen, Wind, Stechmücken, Erwartungen und deren Nicht-Erfüllung. Also quasi nochmal alles, was ich in den letzten 5 Wochen erlebt habe.

In Biberach finde ich meinen Abschluss. Tatsächlich nicht in der Kirche wie gedacht. Hochzeitsvorbereitungen und eine Reisegruppe vermiesen mir meinen stillen Moment (das war sie, die unerfüllte Erwartung). Meinen Abschluss finde ich, nachdem ich den Zusammenhang sehe: vor ziemlich genau 5 Wochen bin ich los, 720 km erlaufen, die vielen Momenten mit mir, in denen ich Stimmigkeit und Einheit erlebe und dann das Aufeinandertreffen meiner Welt mit den Welten anderer. Der Jakobsweg gehört nicht mir alleine, die Kirche auch nicht und die Welt noch viel weniger. Besser ich gewöhne mich daran *lach*

Eine gute Erkenntnis (und ich meine das echt ernst) zum Abschluss. So kann und will ich es stehen lassen. Ich bin glücklich, zufrieden, erfüllt von all den Erlebnissen, und erleichtert zugleich. Jetzt will ich heim, zu Frank, in meinem Bett schlafen und erstmal nicht mehr laufen 😉

Fazit: um Land und Leute ging es – wenn wundert‘s – also auch bei diesem Camino kaum. Das Zuhause, mich daheim zu fühlen, findet sich nicht in äußeren Dingen. Das ist nun sehr spürbar in mir. Also hat es nun nicht nur mein Verstand sondern auch mein Körper und meine Gefühlswelt kapiert. Endlich. Dadurch hat sich tatsächlich etwas in mir verändert: ich bin ruhiger und gelassener, was meinen derzeitigen Wohnort angeht. Leipzig im Speziellen, aber auch ganz grundsätzlich. Ich freue mich auf zu Hause. Und ich finde es schön, so etwas wie inneren Frieden zu spüren. Erwartungen, ja, was ich nicht alles erwarte, glaube zu brauchen, dass sich ein gewisses Gefühl einstellt. Alles Quatsch. Ich habe es selbst in der Hand. Sei mit Dir zufrieden, fühle Dich in Dir zu Hause und es ist egal, wo Du wohnst oder derzeit bist oder wie die äußeren Umstände sind. Das lass ich jetzt mal wirken.

Nach dem Camino geht der eigentliche Weg los: der Transfer in den Alltag, was einschließt, sich immer wieder an die Erkenntnisse zu erinnern.

Ultreia!

 

Der Countdown läuft
Ziel in Sicht
Biberach und damit mein Ziel des diesmaligen Caminos ist um 13 Uhr erreicht
Etappe 7 – Abschlusstag

 

Abschließend: ich habe wieder einen Videozusammenschnitt der 7 Tage auf dem Jakobsweg von Nördlingen nach Biberach erstellt.

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YouTube-Video Jakobsweg Nördlingen-Biberach

 

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