12.07.23 – Via Gebennensis 4. Tag

von Katja Härle

12. Juli 2023

Seyssel – Chanaz 22,7 km

Das war definitiv eine der schlechtesten Nächte auf dem Camino. Heiß, stickig, nahe der befahrenen Straße, noch näher an einer dröhnenden Lüftung des Nachbargebäudes und einfach unleidig mit jeder Liegeposition. Wahrscheinlich wären alle Faktoren für sich alleine nicht so das Problem. Alles auf einmal zerrt an meinen Nerven. Vor allem die Hitze. Immer wieder erinnere ich mich an mein Mantra. Mir wird klar, gegen die Situation zu sein, macht es nur noch schlimmer. Also sage ich mir immer wieder, es ist, wie es ist. Ich habe ein Dach über dem Kopf, habe gegessen und getrunken. Ja, es ist heiß. Und ich muss es nicht mögen. Aber es abzulehnen, ist auch keine Option. Besser ich akzeptiere, wie es ist. Widerstand macht es nur schlimmer für mich.

Ich schlummre erst gegen 2 Uhr ein, wach um 4 Uhr wieder auf, weil es endlich gewittert und regnet. Das bringt wenigstens etwas Abkühlung. Dann werkle ich mich bis 6:30 Uhr weiter hin und her, und stehe dann gerädert auf.

Noch mein übliches Pilgerfrühstück – Milchkaffee mit Schokocroissant, was sonst – eingenommen und los geht’s. Naja, losgehen ist sehr übertrieben. Ich trotte. Es hat zwar abgekühlt auf ca 28 Grad Höchsttemperatur, dafür ist es erheblich schwüler. Das spüre ich. Ich schwitze und klebe und das, obwohl die Strecke heute fast ausschließlich flach ist.

Nach einer knappen Stunde treffe ich weit hinter mir geglaubte Pilger: die 3 Pilgerfrauen aus der ersten Herberge. Meinen Vorsprung hatten sie durch eine kleine Autofahrt mit einer Einheimischen überwunden 😉 Sie haben heute ebenfalls Chanaz als Zielort, übernachten allerdings woanders. Morgen werden wir uns wiedersehen – was sie noch nicht wissen – denn die morgige Etappe kann entweder sehr kurz sein mit rund 18 km oder viel zu lang mit über 30 km. Alle Optionen in Yenne (18 km entfernt) sind ausgebucht, weshalb ich damit im dortigen Campingplatz dem Zeltübernachten nochmals eine Chance gebe. Dieses mal im Tipi für 10 Personen. Bislang sind wohl nur wir 4 Pilger darauf gebucht. Wir werden sehen.

Denn heute sehe ich plötzlich mehrere Pilger: 1 Schweizer Pärchen, eine französische 4-er Gruppe (schätzungsweise 2 Ehepaare) und nochmals 4 Pilgerfrauen. Außerdem überholt mich noch schnellen Schrittes eine ziemlich junge Französin, die mir soeben in der Unterkunft wieder begegnet. Am Freitag ist in Frankreich Nationalfeiertag und deshalb vielleicht mehr los als gewöhnlich. Da war es mir wichtig – auch aufgrund der eingeschränkten Möglichkeiten, auf eine andere Ortschaft zum Schlafen auszuweichen – eine Unterkunft sicher zu wissen. Über 30 km zu laufen, steht derzeit nicht zur Debatte.

Um 15:30 Uhr erreiche ich mein heutiges Ziel: eine wirklich schnuckelige Pilgerunterkunft mit einem 4-Bettzimmer und 1 Doppelzimmer. Ich bin im 4-Bettzimmer mit zwei Pilgerinnen.

Exkurs: Momentan finde ich das Bloggen etwas anstrengend. Das liegt vor allem daran, dass das Hochladen der Fotos viel zu lange Zeit braucht. Deshalb behelfe ich mir schon die letzten 2 Tage damit, dass ich vorher Fotocollagen erstelle und damit mehrere Bilder quasi auf einen Schlag hochladen kann. Aber auch das braucht zu lange. Ich bin mir gerade unsicher, ob es tatsächlich nur an der Internetverbindung liegt – die ist sowohl über den Mobilfunk als auch über Wlan eher mäßig – oder an meiner Website. Ehrlich gesagt mache ich mir gerade keinen Reim darauf. Es kann also sein, dass ich zukünftig nur noch schreibe und die Fotos erst zu Hause einfüge. Unschön, aber es muss für mich praktikabel bleiben 🙂 Deshalb heute schon weniger Bilder.

Nachtrag: jetzt – um 20 Uhr – scheint es schon deutlich mehr zu flutschen. Der Upload der Bilder läuft wieder wie gewohnt. Offenbar nutze ich ausgerechnet die Zeit zum Bloggen (die letzten 2 Tage war dies meist zwischen 16:30 und 18 Uhr), wenn das Netz sehr belastet ist. Vielleicht ist das der Grund?! Ich werde das beobachten. Solltest Du die nächsten Tage mal einen Blogbeitrag von mir mit keinen oder wenigen Bildern lesen, lohnt es sich zu einem späteren Zeitpunkt nochmals zu schauen. Es könnte sich geändert haben 😉

Seyssel am Morgen
Zum Teil sehr „wilde“, zugewachsene Wege heute
Schnuckeliges Pilgerhäusle in Chanaz
So geht Füße abkühlen auch 🙂
Etappe 4: wieder zweigeteilt, keine Ahnung, wieso das gerade so oft passiert



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