11.07.23 – Via Gebennensis 3. Tag

von Katja Härle

11. Juli 2023

Contamine-Sarzin – Seyssel 21,6 km

Puuuuh. Heiß, heiß, heiß. Viel Asphalt und Straße, sehr viel Sonne, einige Schotter- und Geröllstraßen, doch zum Glück auch einige Schattenwege. Alles in allem sehr anstrengend.

Ich starte um 7:30 Uhr und bin schon nach kurzer Zeit nassgeschwitzt. Anders als gestern früh scheint es über Nacht kaum abgekühlt zu haben. Kaum ein Lüftchen geht. Die wabernde Hitze steht. Asphaltgehen macht es da nicht gerade erträglicher. Ich komme mir vor wie im Sandwichtoaster: von oben und unten Hitze.

Dennoch, ich lasse mir Zeit, laufe wie es geht und bleibe immer wieder zum Verschnaufen stehen.

Später packe ich mein Tuch aus, dass ich bei jeder Möglichkeit mit Wasser tränke und mir um Schulter und Nacken lege. So geht’s zumindest eine kurze Zeit.

Ich habe mir als Ziel für heute Seyssel ausgesucht. Dies liegt auf einer etwas längeren Jakobsweg-Variante, bietet allerdings mehr Übernachtungsmöglichkeiten als der originäre Zielort Pont du Fier und liegt zudem direkt an der Rhône. Jedes Nass ist besser als staubtrockene Erde. 😉

Die ein oder andere Stelle zwickt am Fuß. Gestern war meine Haut bei Ankunft vom permanenten Schwitzen ganz schrumpelig. Das ist ein gute Voraussetzung für Scheuerstellen. Ansonsten kann ich nur erstaunt sagen, wie gut es meinen Beinen geht – insbes. mein linkes Knie, das sonst sensibel reagiert, ist weder leicht geschwollen noch spüre ich sonst eine Befindlichkeit. Und das bei dem Wetter… erstaunlich.

Ansonsten erwische ich mich heute erneut bei der Frage: wieso mache ich das? Nicht neu für mich und dennoch wundert es mich, dass ich mir nach über 4000 erpilgerter Kilometer immer noch diese Frage stelle.

Nun, die Antwort ist simple: ich gehe, weil ich gehe. Punkt.

Und vielleicht mache ich es auch, weil ich mir Antworten verspreche. Weil ich hoffe, eine wie auch immer geartete Führung zu erhalten. Etwas, das mir bei meinen Dingen im Leben hilft.

Also ist es meine Art von Religion, von Glauben, meine Kirche sozusagen? Hmm, ja, irgendwie schon.

Diese Antwort steigt in mir hoch und ich merke – insbesondere jetzt beim Schreiben – dass ich das erstmal sacken lassen muss.

Aussichten
Zum Glück gab‘s auch schattige Wege
Dazwischen immer wieder viel Straße
Um knapp 16 Uhr erreiche ich den Campingplatz in Seyssel – meine Behausung für heute Nacht, wobei das kaum etwas mit einem Haus zu tun hat 🙂 wie es aussieht, bleibe ich allerdings alleine im Gemeinschaftszelt

Kurz vor Seyssel öffnet sich bereits der Blick auf das Rhône-Tal. Ein Bad bleibt mir allerdings erstmal verwehrt: bei Seyssel hat die Rhône eine gefährliche Fließgeschwindigkeit mit Strudelbildung. Also erstmal nur Füße rein.

Erfrischung für die Füße
Etappe 3: heute zweigeteilt, weil meine Uhr unterwegs plötzlich die bereits erlaufene Strecke speicherte



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