03./04.08.23 – Rückreise

von Katja Härle

3. August 2023

Von Conques über Le Puy-en-Velay, Lyon, Karlsruhe nach Ellwangen…

… wenn alles gut geht.

Den Blogbeitrag schreibe ich bereits unterwegs. Seit 12:30 Uhr bin ich auf der Heimreise. Da startet nämlich der Compostel’Bus in Conques und klappert innerhalb der nächsten 4,5 Stunden alle Jakobsweg-Orte der letzten 7 Tage ab. Schon komisch, den Weg quasi nun so schnell zurückzufahren. Kommt mir fast etwas brutal vor. In Le Puy angekommen, erfahre ich erstmal, dass mein Zug Verspätung hat. Die französische Bahn hat offenbar ähnliche Schwierigkeiten wie die Deutsche Bahn. Verspätungen und nur unzureichende Informationen. Zwischenzeitlich sitze ich im Zug zwischen Le Puy und Saint-Étienne Châteaucreux. Dort ist mein eigentlicher Anschlusszug schon weg. Nun hoffe ich, dass ich wenigstens den nächsten erwische. Ganz blöd wäre es, wenn ich den Flixbus ab Lyon um 22:30 Uhr nicht erreichen würde. Aber ich werde! Ich höre doch jetzt nicht mit dem Vertrauen auf 😉

Wenn also alles glatt läuft, fahre ich dann über Nacht mit dem Bus von Lyon nach Karlsruhe. Dort um kurz vor 8 Uhr angekommen, geht es dann noch gut 2 Stunden weiter in meine alte Heimat Ellwangen. Dort bleibe ich für die nächsten Tage, bevor es dann nach Leipzig weitergeht. Am Freitag um gut 11 Uhr ist dann – so denn es sein soll – meine Heimreise aus Frankreich vollbracht.

Der Abend und die Nacht im Kloster verliefen, wie ich es mir gewünscht habe, rund und können damit als würdigen Pilgerabschluss betrachtet werden. Ich komme sogar zu ungewohnten Ehren: vor dem Abendessen hält der Klostervorsteher (oder wie man das nennt) eine kurze Ansprache. Am Ende dieser fragt er Pilger ab, die Deutschsprachig sind. Ich und eine Österreicherin melden sich, nichts ahnend, was dann passiert. Er fragt mich direkt, ob ich bereit wäre, in der Pilgermesse um 20:30 Uhr einen kurzen Text auf Deutsch vorzulesen. Etwas perplex sage ich ja. Naja, wieso auch nicht – im Nachgang denke ich mir allerdings, dass die Österreicherin wohl deutlich besser geeignet gewesen wäre. Sie erzählt mir heute Morgen, dass sie den Weg vor allem läuft, weil sie Gott näher sein will. Na bravo. Und ich lese statt ihr in der Kirche vor… Nun ja, offenbar sollte das so sein. Neben mir stehen dann noch ein kleines Mädchen, die wohl zweisprachig aufwächst und englisch spricht, und eine Französin vor der versammelten Glaubensgemeinschaft und lesen den immer gleichen Text in der jeweiligen Sprache. Das war schon irgendwie besonders. Denn, auch wenn ich wenig mit der Art der Glaubensbezeugung anfangen kann, so kann ich nicht bestreiten, dass ich auf eine gewisse Art ergriffen bin.

Die Nacht war trotz 15 Mitschläfer (!!) im selben Raum ruhig und erholsam, so wie es sein soll. Morgens lasse ich mir betont Zeit, denn der Bus verlässt Conques erst um 12:30 Uhr. Nichtsdestotrotz muss ich um 9 Uhr mit Packen und Frühstücken fertig sein. Also gehe ich nochmals durch den Ort ziemlich steil abwärts auf des Pilgers Wegen. Am Ortsende kehre ich wieder um und verlasse damit endgültig die Via Podiensis. Etwas komisch ist mir zumute und ich gestehe, dass ich kurz darüber nachgedacht habe, doch einfach weiterzumarschieren. Allerdings nur kurz. Diesen Weg werde ich sicher vollenden, aber nicht jetzt und nicht heute.

Der Spruch an einem Torbogen in Conques heißt in etwa so viel wie:

Schnecken,

Wandernde Seelen mit einem Haus auf dem Rücken,

Seelen in Ungewissheit mit ihren Leben huckepack.

Eifriger Handel,

suchende Augen,

was sucht ihr Augen, suchende Augen in Frieden.

Gute Reise, Lebewohl, Ultreia

Ein Tourist fotografiert mich während der letzten Schritte auf der Via Podiensis

Und wie üblich bleibt Zeit für ein Rekapitulieren. Ich war nun 3,5 Wochen zu Fuß unterwegs und habe in der Zeit ca. die Hälfte der Wegstrecke zwischen der Schweiz und Spanien überwunden. Der Weg – insbes. die Via Gebennensis – will zum Teil hart erlaufen werden. Anfängliche Hitze, große Steine, ein stetiges Auf und Ab, zugewachsene Wege und wenig Infrastruktur machen die Distanz zwischen Genf und Le Puy-en-Velay zu einer kleinen Herausforderung. Insofern stellte allerdings die hügelige Landschaft nach Le Puy kein Problem mehr für mich dar. Neben der deutlich höheren Herbergsdichte auf der Via Podiensis kommt allerdings auch eine höhere Pilgerdichte. Die kann dann sehr wohl zu schaffen machen – insbesondere wenn man wie ich vorher fast nur alleine gelaufen ist. Die Landschaft ist auf der Strecke zwischen Le Puy und Conques dann auch wirklich so außergewöhnlich und schön, wie es vielfach beschrieben wird. Ob es dadurch zu einem meiner Lieblingswege wird, wage ich zu bezweifeln. Hier sind viele Franzosen unterwegs. Es ist nicht so multikulti wie auf dem Camino francés in Spanien. Außerdem mangelt es mir hier an Spiritualität. Die Franzosen sind oft nur für ein paar Tage unterwegs; der Weg ist vorherbestimmt durch Buchungen sämtlicher Unterkünfte. Meist wandert Franzose auch nicht alleine, sondern vielmehr schon als Grüppchen. Es wird getratscht und erzählt den ganzen Tag. Tatsächlich laufe ich kaum an Franzosen vorbei, die schweigend oder gar alleine gehen. Auch am Abend wird fast pausenlos erzählt – ob man sich nun kennt oder nicht, man findet offenbar immer etwas, worüber ein reger Austausch möglich ist. Pilger, die des Französischen nicht mächtig sind, werden manchmal integriert, oft jedoch nicht. Man sitzt halt dabei. In Summe kommt bei mir wenig richtiges Pilgergemeinschaftsfeeling auf. Der Weg ist und bleibt ein Weg für mich, mit mir und in mir. Die paar wenigen Begegnungen, die Tiefe hatten, bleiben insofern etwas Besonderes und werde ich nicht vergessen.

Zusammenfassend kann ich daher also sagen, dass selbst die schöne Wegstrecke ab Le Puy auf der Via Podiensis nicht dem einmaligen Pilgererleben auf dem Camino francés den Rang ablaufen kann. Aber vielleicht bin ich da etwas parteiisch, da a) der Weg ab St-Jean-Pied-de-Port mein erster Jakobsweg war und daher schon eine Sonderstellung hat und b) es sich für Französischsprachige vielleicht ganz anders darstellt.

Im Übrigen habe ich während der 7 Lauftage auf der Via Podiensis jeweils 5-6 Minuten pro Tag Videos aufgenommen und zu einem Film zusammengestellt. Wer Interesse hat, kann diesen auf YouTube anschauen (mit dem Anklicken des Links verlässt Du meine Seite und wirst direkt auf YouTube weitergeleitet):

YouTube Video über meine 7 Lauftage auf der Via Podiensis

Diese Brücke am Ortsausgang von Conques überquere ich vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt, wenn es wieder heißt „Buen camino!“ und ich den Weg zu Ende bringe
Pilgerstempel Via Gebennensis und 7 Tage Via Podiensis



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